

Deutscher Widerstandskämpfer; der einem liberalen Elternhaus enstammende Probst war Medizinstudent an der Ludwig-Maximilians-Universität und wurde Mitglied der im Juni 1942 von Hans Scholl gegründeten Weißen Rose, der u.a. auch Scholls Schwester Sophie und Willi Graf angehörten. Überzeugt, daß das Naziregime beseitigt werden müsse, druckten und verteilten sie in München unter Gefahr für das eigene Leben insgesamt sechs verschiedene Flugblätter. Als die Geschwister Scholl am 18.2.1943 beim Verteilen des letzte Flugblatts entdeckt und verhaftet wurden, wurde auch Probst festgenommen. Auch er wurde vom unter der Leitung von Roland Freisler stehenden Volksgerichtshof zum Tode durch das Fallbeil verurteilt und im Gefängnis Stadelheim hingerichtet.
München, Friedhof am Perlacher Forst

Nanjing, John Rabe Memorial Hall
Deutscher Kaufmann; Sohn eines Kapitäns z.S.; nach einer kaufmännischen und einem Aufenthalt in Afrika von 1903 bis 1906, ging er 1908 nach China. Von 1911 bis 1938 arbeitete er dort zunächst bei der Siemens China Co., einer Tochtergesellschaft des Siemens-Konzerns; 1931 wurde er Geschäftsführer der Firma Siemens in der damaligen Hauptstadt Chinas, in Nanjing. Als verantwortlicher Siemens-Direktor baute er Elektrowerke und stattete Krankenhäuser mit Siemensprodukten aus. 1934, in dem Jahr, in dem er Mitglied der NSDAP wurde, gründete er auf eigene Rechung, aber auch mit Unterstützung der ortsansässigen NSDAP-Ortsgruppe iim südchinesischen Nanjing eine deutsche Schule. Als im Sommer 1937 Japan den Krieg gegen China begann und japanische Truppen das Land besetzten, marschierten sie nach dem Fall von Shanghai auch in Nanjing ein. Dort steigerte sich ihre Grausamkeit zu dem sog. Nanking-Massaker, dem innerhalb von sechs Wochen ca. 300.000 Chinesen zum Opfer fielen. Angesichts der zügellosen Grausamkeiten der japanischen Besatzer gründete Rabe zusammen mit amerikanischen und englischen Geistlichen eine Sicherheitszone für bedrohte Zivilisten. Dank seiner Initiative konnten wenigstens 850 Chinesen, die auf dem Gelände Zuflucht fanden, vor den marodierenden Japanern gerettet werden. Um eine Bombardierung des Geländes zu verhindern, hatte Rabe eine überdimensionierte Hakenkreuzfahne über einen Teil des Areal spannen lassen - immerhin hatte das Deutsche Reich ja mit dem japanischen Kaiserreich ein Bündnis geschlossen. Als die Lage auch für die Ausländer immer prekärer wurde, flüchteten Mitte Dezember 1937 die meisten seiner Helfer aus der Sicherheitszone, während Rabe blieb, obwohl sein Arbeitgeber Siemens ihn zurückbeordert hatte; erst zwei Monate später brach er nach Deutschland auf. Als er seine in Nanjing über die japanischen Grausamkeiten von dem US-amerikanischen Missionaren John Macgee gedrehten Dokumentarfilme, die Rabe in Kopie mitgebracht hatte, öffentlich machen wollte, wurde er von der Gestapo verhaftet. Erst als er unter Druck versprach, sein Wissen für sich zu behalten, wurde er drei Tage später entlassen. Als Rabe 1950 starb, war er verarmt und vergessen - auch von Siemens. Als 25 Jahre später die gesetzliche Friedhofsliegezeit abgelaufen war, wurde wenigstens der Grabstein gerettet. 1997 wurde er nach Nanjing gebracht und dort im John-Rabe-Memorial aufgestellt. Heute wird John Rabe von den Chinesen als “der deutsche Buddha” oder “der gute Deutsche von Nanjing” bezeichnet. 2009 wurde ein Film (John Rabe) vorgestellt, der sich mit Rabe und den beschriebenen Ereignissen beschäftigt; Rabe wurde von Ulrich Tukur dargestellt.

Hinweis: Rabes sterblichen Überreste wurden 1997 von Berlin nach Nanjing überführt, wo sie auf dem Gelände des John Rabe Memorials beigesetzt wurden.

Französischer Fotograf ungarischer Herkunft; studierte, bevor er 1924 nach Paris kam, in Ungarn und Deutschland. Überredet von seinem Freund, dem Fotografen André Kertész (*1894, †1985), begann er das Pariser (Nacht-) Leben mit seiner Fotokamera festzuhalten. Seinem ersten, 1933 publizierten Fotoband gab er den Titel Paris de nuit (Paris bei Nacht). Bald schon wurden seine Bilder weltweit in Austellungen gezeigt, z.B. im George Eastman House in Rochester, im New York City's Museum of Modern Art und im Art Institute in Chicago. 1956 wurde sein Film Tant qu'il y aura des bêtes beim Filmfestival in Cannes ausgezeichnet. Viele der Personen, mit denen er bekannt oder befreundet war, fotographierte er, so z.B. Jean Genet, Salvador Dalí, Alberto Giacometti, Henri Matisse, Henri Michaux (*1899, †1984) oder Pablo Picasso.
Paris, Cimetière du Montparnasse

Dora Maar eigentl. Henriette Theodora Markovitch
Französische Fotografin und Malerin kroatischer Abstammung; Tochter eines Archtekten aus Zagreb; wuchs in Paris, später in Buenos Aires auf, wo ihr Vater für die österreichisch-ungarische Botschaft arbeitete. 1926 kehrte sie nach Frankreich zurück, studierte in Paris Fotografie und Malerei an der Schule der Union centrale des arts décoratifs, an der Ecole de Photographie und der Académie Julian und ging später bei André Lhote in die Lehre. In den 1930er Jahren hatte sie Umgang mit den Pariser Surrealisten um André Breton, Man Ray und Brassaï. 1936 lernte sie in dem im Quartier Saint-Germain-des-Prés gelegenen, beliebten Café “Les Deux Magot” Pablo Picasso durch Paul Éluard kennen. Sie war seine Geliebte, Muse und sein Modell, bis er 1943 Françoise Gilot kennenlernte und die Beziehung zerbrach, worunter Maar sehr litt, starke Depressionen bekam und schließlich im Mai 1945 in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden mußte. Trost suchte sie in der Religion und in der Malerei, mit der sie schon in der Zeit mit Picasso begonnen hatte. Sie malte Stilleben und später auch abstakte Landschaften. Von einem Sturz, der sie ans Bett fesselte, erholte sie sich nicht mehr und starb drei Jahre später.
Clamart, Cimetière du Bois Tardieu

Princeton (New Jersey), Cemetery
US-amerikanischer Meinungsforscher; gründete 1935 mit C. E. Robinson (*1900, †1961) in Princeton (New Jersey) das Umfrageunternehmen American Institute of Public Opinion (AIPO; auch Gallup-Institut genannt) und bereits ein Jahr später das British Institute of Public Opinion, eine Tochtergesellschaft des AIPO. Er bewies die hohe Aussage- und Prognosequalität kleiner Stichproben bei der Meinungsforschung und leistete damit Pionierarbeit. Nach Lehraufträgen in Iowa und Illinois war Gallup von 1935 bis 1937 Professor an der Pulitzer School of Journalism der New Yorker Columbia University. 1939 weitete er sein Interesse mit Gründung des Audience Research Institute (ARI) auf den Bereich der Publikumsforschung (vor allem von Radiohörern) aus. Berühmt wurde seine Methode des Gallup poll, die anhand von gesellschaftlich repräsentativen Stichproben Rückschlüsse etwa auf das Wählerverhalten zulässt. In Deutschland gehört das EMNID-Institut für Meinungsforschung zu den 49 weltweit tätigen, autonomen Meinungsforschungsinstituten, die zur 1947 gegründeten Gallup International Association gehören.
Römischer Ritter (eques); der Sproß einer wohlhabenden etruskischer Familie schloß sich schon früh dem Erben des ermordeten Iulius Caesar, Oktavian, dem späteren Kaiser Augustus, an und wurde dessen Vertrauter: Wenn es Augustus im Sommer in seinem eher bescheidenen Haus zu warm wurde und er dort nicht schlafen konnte - so berichtet Sueton -, hielt sich er häufig als Gast in der komfortablen Villa seines Freundes auf. Und Maecenas war ihm ein loyaler Berater in politischen Angelegenheiten. Bereits während der Schlacht bei Philippi im Jahre 42 v. Chr. befand er sich in dessen Gefolge. Später führte er diplomatische Verhandlungen für den Kaiser und nahm Staatsgeschäfte wahr. Nach seinem Rückzug aus dem öffentlichen Leben widmete sich Maecenas seinem Zirkel von berühmten Dichtern, zu dem Caius Horatius (Horaz) gehörte. Letzterer setzte seinem Förderer u.a. in seinen carmina (1,1) ein literarisches Denkmal: Maecenas, atavis edite regibus, o et praesidium et dulce decus meum... [O Maecenas, von Königen als Vorfahren abstammend, Du mein schützender Hort, liebender Genius...]. Auch Sextius Propertius (Properz) förderte er und Publius Vergilius Maro, dem er zu einer Entschädigung für dessen väterliches Erbe, das zugunsten der Versorgung der Veteranen enteignet worden war, verhalf. In seinemTestament vermachte Maecenas Kaiser Augustus sein ansehnliches Vermögen, das auch die Gärten auf dem Esquilin beinhaltete; Kaiser Nero hat sie später in die von ihm erbaute Domus Aurea (Goldenes Haus) einbezogen. Sein Name als Förderer der Künste und Wissenschaften wurde zum Gattungsbegriff des Mäzenatentums.

Villa Maecenas auf dem Esquilin in Rom (pinxit Jakob Philipp Hackert, 1783)
Rom, Esquilin
Hinweis: Die Grabstätte Maecenas’ ist nicht mehr vorhanden.

Berlin-Charlottenburg, Ev. Kaiser-Wilhelm-Gedächnis Kirchengemeinde



Omnibus salutem!